Da war dieser Typ: Groß, dunkelhaarig. Sportlich. Attraktiv. Umgeben von einem Hauch Arroganz, latent narzisstisch, selbstbewusst. Verdammt, selbst die Art, wie er seine Zigarette rauchte, fand ich ungemein … sexy … erregend …!
Ich hätte ihn ansprechen sollen. Etwas sagen. Irgendetwas. Doch solche Männer spricht man nicht an. Genau genommen will man solche Männer auch gar nicht kennen. Denn es sind immer diese Männer, die einen ins Unglück stürzen.
Er hat mich wahrscheinlich nicht einmal wahrgenommen. Und wenn doch, wird es ihn kaum interessiert haben.
Ich aber kann ihn nicht vergessen.
Seine kurze bedeutungslose Berührung …
Ich stalke seinen Namen auf Facebook und im world wide web.
Ich könnte ihm eine Freundschaftsanfrage schicken. Doch wahrscheinlich würde er sie ignorieren. Entweder, weil er mich tatsächlich nicht mehr kennt – oder, weil er mich lieber nicht kennen möchte.
Es müssen keine 1000 Berührungen sein, bevor man empfinden kann. Manchmal reicht eine einzige vollkommen aus, um unendlich unglücklich zu sein …

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Durch schwachen Glauben ein Grab errichtet,
es birgt den letzten Rest der Hoffnung.
Dunkelrot wächst eine Rose,
genährt durch meine Tränen,
ihre Wurzeln umschließen das Tote.
Geborgen in den Knospen
wartet die Seele auf den Tag ihrer Freiheit.

Und nach und nach kehrt Hoffnung zurück,
mit jeder Blüte, die zum Leben erwacht.
Das Grab dann nicht mehr als ein unscheinbarer Hügel –
sorgsam von den Rosen des Glaubens bewacht.

(12. Januar 1999)

(Nacht-)Mahr

Schlagwörter

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„Dirty girls
Make some noise
Move that ass for dirty boys
Dirty boys
So obscene
Like to see the girls extreme“
(Faderhead: Dirtygrrrls/Dirtybois)

Faderhead ham’s auf den Punkt gebracht.
Außerdem: Top Stimmung, Alkohol, Party-Laune … 🙂

… Und dann war da diese eine Band. Provokation?!? Faschistisches Gedankengut?!? Das Festival war großartig – und diese eine Band eben auch. Fanden die Cyber-/Industrial-Dancer. Und ich. (Wobei ich auch die großartig fand … ühüm … ) Also jedenfalls: Die Musik war – mitreißend. Sehr tanzbar. Sehr party-mäßig. Und Männer in Uniform? Eh gut. Marineoffiziere, Piloten, Polizei – gehobener Dienst. Sexy. Chic. [Pause] Und schon ist es da, das schlechte Gewissen. Hitler und das Dritte Reich waren schlimm. Sehr schlimm. Und sehr böse. Nichts, womit ich mich identifizieren kann und will. Und jetzt? Jetzt stehe ich hier – und bin verwirrt. Weil ich zu einfach strukturiert bin um zu kapieren, dass das Gehabe, das Outfit, die Schriftzüge nur Provakation sind? Weil ich zu intelligent bin und mich überhaupt damit auseinandersetze? Weil ich mich nicht einfach, wie all die anderen um mich herum, der guten Stimmung hingeben und ganz entspannt sein kann?!? ***nicht so viel nachdenken*** tanzen. ***ist es moralisch verwerflich?!?*** einfach weiter tanzen. ***gute musik, schändlicher inhalt?!?*** tanzen.

Tanz – mein Leben – tanz
Tanz mit mir
Tanz mit mir noch einmal
In den puren Rausch der nackten Liebe
(Lacrimosa: Alleine zu zweit)

Damals war die Welt noch in Ordnung. Schöne, moralisch nicht-verwerfliche Musik. Nette Texte.
Kein: Salutieren, Präsentieren, Exerzieren, Herum-Marschieren.
Mehr so: Sehnsucht, Romantik, Verzweiflung, Einsamkeit.

Schöne heile schwarze Welt.

Wanderung im Wismar-Watt

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Irgendwann einmal war ich an der Ostsee: auf Fehmarn. Damals war ich 5 oder so, es war im Dezember, kurz nach Weihnachten und über Silvester. Ich trug blaue Gummistiefel (glaube ich) und eine gelbe Regenjacke. Und es war kalt und stürmisch. Und es gab dort diesen Steg, der aus meiner Perspektive scheinbar endlos in das Meer hinein reichte. Ich stand auf diesem Steg und schaute in das Wasser und sah einen riesigen Fisch, der unter dem Steg hindurch schwamm. (Ok, vielleicht war der Fisch in Wahrheit gar nicht sooo groß. Von den Riesenschildkröten im Prager Zoo dachte ich nämlich auch, dass sie ungefähr so groß waren, wie ich – und musste bei meinem nächsten Besuch zwanzig Jahre später feststellen, dass sie nicht einmal annähernd 1,60 m waren, sondern mir nicht einmal bis zu den Knien reichten … O.O). Aber dieser Fisch war wirklich riesig! Es war ein Wels (und ich weiß ganz genau, dass ich mir das damals tatsächlich dachte – woher auch immer ich diese Erkenntnis hatte) und die restlichen Urlaubstage hielt ich eifrig weiter nach ihm Ausschau – doch sehr zu meinem großen Bedauern sollte es der einzige seiner Art bleiben, den ich in diesem Urlaub sehen sollte … Außerdem gab es dieses U-Boot, das man besichtigen konnte und unzählige Muscheln, die mein Bruder und ich voller Begeisterung sammelten. Und ganz besonders toll waren die Wattwanderungen mit den vielen kleinen Wattwürmern überall und Feuerquallen, die – vermutlich tot – überall herum lagen. Mit meinen schönen Gummistiefeln in die vielen kleinen Pfützen patschen … Hach…! Der Urlaub war großartig!!! Und viele viele Abende und Nächte habe ich seitdem damit verbracht, mich an diese schöne, glückliche Zeit zurück zu erinnern …
Und jetzt, dreißig Jahre später, bekam ich endlich endlich wieder die Gelegenheit, dorthin zurück zu kehren … ! Nicht nach Fehmarn – aber nach Wismar. An die Ostsee!!! Ich war aufgeregt und freute mich wie ein kleines Mädchen. Genau so fühlte ich mich. Weit davon entfernt, die verantwortungsbewusste Frau zu sein, die im richtigen Leben viel arbeitete und Tag täglich die Verantwortung für so viele anderen Menschen tragen musste. Ich hatte ein paar Tage Urlaub – und ich war unendlich glücklich. Ich hatte so viele Pläne! Am Strand spazieren gehen, Muscheln sammeln, Fischfrikadellen-Brötchen essen – und mit Gummistiefeln durch die kleinen Pfützen im Watt patschen!!! Doch ach – oh je mine… 😥 In Wismar gibt es kein Watt. Keine großartige Ebbe und Flut – und somit eben auch kein Watt. Wie dumm ich doch war! Die Ostsee ist nicht die Nordsee. Und ich war – unsagbar enttäuscht. Enttäuscht und außerdem kam ich mir äußerst dumm und ungebildet vor. Hatte es diese Wattwanderungen denn damals vielleicht gar nicht gegeben?!? Waren sie ein Konstrukt meiner kindlichen Phantasie?!? Ich könnte meine Eltern fragen. Doch was, wenn sich dabei heraus stellte, dass ich mir all diese schönen Erinnerungen aus einer marinen Romantik heraus nur zusammengeträumt hatte?!? Nein. Ich werde sie nicht fragen. Ich will diese Erinnerungen behalten. Genau so, wie sie waren: unbeschwert, sorglos, schön.

Backstein-Schloss

„Ich bau‘ dir ein Schloss, so wie im Märchen …“
Ein Schloss mit Kronleuchtern, Silberbesteck und Himmelbett.

Mein Schloss ist ein solides Backsteinhaus.
„Stein auf Stein, Stein auf Stein, das Häuschen wird bald fertig sein …“

Ohne Krone, ohne Prinz und ohne Rosengarten.
Ein Haus gemauert aus Unwahrheiten.
Jeder Steine eine Lüge.

Meine Erzählungen,
mein Leben,
mein Lachen:
Träumereien,
Euphemismen,
Trug.

Andere leben in dem Schloss,
das ich für sie baue.
Trinken aus meinen Becherchen,
essen von meinen Tellerchen,
benutzen mein silbernes Besteck.

Mein Backsteinhaus:
Massives Mauerwerk,
Geborgenheit,
verborgen in einem Efeu-Wald.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

http://objektivunterwegs.fotophil.net/2015/03/10/lokalbahnhof-f-kaiserlei-of/

Fragen, die das Leben schreiben …

Und während ich so heute durch den eher herbstlich anmutenden Wald spazierte und an einem kleinen Tümpel vorbei kam, fragte ich mich:
Heißt die Frau des Wassermanns „Wasserfrau“ … ?!?
(Wobei Wasserfrau irgendwie ein wenig nach Wasserleiche klingt… Finde ich … Warum auch immer … O.O)

Tümpel

P.S: Vielen lieben Dank an den Photographen! 🙂 Ich hoffe, künftig noch mehr Bilder verwenden zu können … !

http://objektivunterwegs.fotophil.net/2015/02/23/sonntagsspaziergang/